Direkthandel bei Kaffee – was verstehen wir eigentlich darunter?

Direkthandel klingt gut.

Fair übrigens auch. Nachhaltig sowieso.

Das Problem: Alle drei Begriffe können ziemlich unterschiedlich ausgelegt werden.

Deshalb finden wir, dass man nicht nur behaupten sollte, Kaffee direkt zu handeln. Man sollte auch erklären können, was man darunter versteht.

Zum Beispiel: Welche Preise erhalten die Produzenten und Produzentinnen? Wer trägt das Risiko? Wird eine Ernte vorfinanziert? Woher kommt der Kaffee genau? Wie lange arbeitet man bereits zusammen? Und war man eigentlich schon einmal dort?

Fragen wir also einmal uns selbst.

Direkthandel seit 2010

Unsere ersten direkten Kaffeeimporte haben wir 2010 und 2011 organisiert – damals unter anderem von der Südseeinsel Tanna sowie aus Sri Lanka und Nepal.

Seit 2013 sind wir Mitglied von Roasters United.

Roasters United ist eine Genossenschaft unabhängiger europäischer Kaffeeröstereien. Gemeinsam können wir etwas tun, was für eine einzelne kleine Rösterei nur schwer möglich wäre: größere Mengen direkt von Kooperativen beziehen, Importe gemeinsam organisieren und langfristig mit den Erzeugern und Erzeugerinnen zusammenarbeiten.

Mittlerweile importieren wir den größten Teil unserer Kaffees auf diesem Weg.

Aber ein gemeinsamer gecharterter Frachtcontainer macht noch keinen Direkthandel.

Was gehört für uns dazu?

Für unsere gemeinsamen Importe über Roasters United haben wir deshalb konkrete Regeln vereinbart.

Die gemeinsamen Importe erfolgen von kleinbäuerlichen Erzeugergruppen, die als Kooperative oder in einer vergleichbaren demokratischen Struktur organisiert sind.

Roasters United arbeitet mit einem definierten Mindestpreis. Tatsächlich gezahlte Preise können – insbesondere abhängig von der Qualität – darüber liegen.

Und dann ist da ein Punkt, über den erstaunlich selten gesprochen wird: Wer finanziert eigentlich die Ernte?

Kaffeeproduzent und Kooperativen haben ihre Kosten lange bevor wir in Freiburg die erste Tüte Kaffee verkaufen. Ernte, Verarbeitung und die Auszahlung an die Produzenten und Produzentinnen müssen finanziert werden.

Deshalb können unsere Partnerkooperativen auf Wunsch bis zu 80 Prozent des vereinbarten Verkaufspreises bereits vor oder während der Ernte als zinsfreie Vorfinanzierung erhalten.

Roasters United verpflichtet sich außerdem bereits vor der Ernte zu Abnahmemengen und Preisen.

Das klingt alles etwas weniger sexy als „handpicked specialty coffee“.

Für die Produzenten und Produzentinnen dürfte es aber deutlich relevanter sein.

Direkthandel ist für uns eine langfristige Beziehung

Wir möchten nicht jedes Jahr von Farm zu Farm springen, immer auf der Suche nach dem nächsten exotischen Kaffee, den noch niemand hat.

Gute Zusammenarbeit braucht Zeit.

Man muss sich kennenlernen. Man muss verstehen, mit welchen Problemen die Kaffeebauern und Bäuerinnen vor Ort konfrontiert sind. Man muss über Qualität reden, gemeinsam verkosten, Fehler analysieren und manchmal auch in Verarbeitung oder Qualitätsmanagement investieren.

Und man muss wiederkommen.

Deshalb gehören regelmäßige Besuche bei Partnerkooperativen ebenso zu unserem Ansatz wie gemeinsame Verkostungen und Qualitätsmanagement vor Ort.

Und was hat das mit dem Geschmack zu tun?

Ziemlich viel.

Denn die Qualität eines Kaffees entsteht nicht in unserer Röstmaschine.

Wir können beim Rösten nur herausarbeiten, was vorher bereits angelegt wurde: durch Standort, Varietät und Anbau, aber eben auch durch sorgfältige Ernte, Verarbeitung, Sortierung und Lagerung.

Und Qualität muss sich auch wirtschaftlich lohnen.

Deshalb gehören für uns Kaffeequalität und Handelsbeziehung zusammen.

Transparenz gehört für uns zum Direkthandel

Natürlich ist auch unser Modell nicht perfekt.

Und „Direkthandel“ ist kein Gütesiegel, das man sich einmal auf die Verpackung druckt und damit ist die Sache erledigt.

Deshalb versuchen wir möglichst konkret offenzulegen, wie unsere Kaffees gehandelt werden, welche Preise wir bezahlen und wie unsere Kostenstruktur aussieht.

Dazu veröffentlichen wir unter anderem unseren Trade Overview.

Denn am Ende müsst ihr unserer Definition von Direkthandel nicht einfach glauben.

Ihr könnt euch die Zahlen und unsere Handelsprinzipien anschauen.

Und euch selbst eine Meinung bilden.

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